27.08.2010 - Profit eines Unternehmen wichtiger als gesamte Flusslandschaft?

Zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer geht es der Weser, dem größten ostwestfälischen Fließgewässer, wieder recht gut, denn die Jahrzehnte der Salzeinleitung in die Werra während der Ära der DDR liegen weit zurück. Doch schon droht die Weser wieder zum billigen Abfluss für Salzlaugen zu werden, denn K + S Kali, ein Unternehmen, das an der Börse notiert ist und für seine Aktionären hohe Gewinne einfahren will, plant die Weser als flüssige Müllhalde zu missbrauchen. Egal, wie viele Lebewesen dabei in den Flüssen sterben. Denn eines ist sicher: Nach der Verwirklichung der Pläne von K + S Kali wird die Werra zu einem nahezu toten Fluss und die Weser wird zu einem stark beeinträchtigten „Salzwasserbiotop“ im Binnenland.

Zynischerweise heißt es im Antrag des Unternehmens K+S Kali, das es um die "ordnungsgemäße Entsorgung" der anfallenden Abwässer über eine Rohrleitung nach Philippstal gehe, wo die Salzfracht dort dauerhaft in die Werra geleitet werden solle. Was wäre denn daran „ordnungsgemäß“, wenn in ein paar Wochen eine wasserrechtliche Erlaubnis erteilt würde, die eine extrem umweltschädliche Salzbelastung (1,4 Mio. m³ Salzlaugen pro Jahr) für die Werra und die Weser auf unabsehbare Zeit zementierte, sodass beide Flüsse nur noch Salzabwässer-Kanäle wären? Obwohl jeder aus den 1980er Jahren noch weiß, welche Folgen die Einleitung der Salzfracht in die Weser hat, wird beschönigend lediglich festgehalten, dass Auswirkungen nicht auszuschließen seien.

Im Gegensatz zur rein profitorientierten Ausrichtung eines Unternehmens an der Börse, müsste die Wirtschaftspolitik des 21. Jahrhunderts ganz anders argumentieren und rechnen: Was sind wir denn bereit zu zahlen für die derzeit noch gratis verfügbaren Leistungen von Werra und Weser? Was ist uns als Gesellschaft und mir ganz persönlich das Wasser zum Trinken, die Luft zum Atmen, der Fisch zum Angeln, die Strömung zum Kanufahren, die Flusslandschaft zum Erholen wert? Kann und will ich auf Luft, Wasser, Lebewesen und Landschaft verzichten? Nein? Deshalb bittet der Portaner Stadtverbandsvorsitzende der GRÜNEN Marc Weber alle um Unterstützung: „Es ist die Pflicht jedes umweltbewussten Bürgers, sein Möglichstes gegen diese massiven Salzeinleitung zu tun."

Die Portaner Grünen fordern alle betroffenen Bürger auf, die Antragsunterlagen einzusehen und Einwendungen geltend zu machen. Die Antragsunterlagen liegen noch bis zum 22.09.2010 im Rathaus, Kempstraße 1, Sachgebiet Stadtplanung aus und bis zum 6. Oktober können die Portaner Bürgerinnen und Bürgern ihre Einwendungen schriftlich bei der Stadt Porta Westfalica erheben. Der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN Friedrich Vogt bringt es als Mitglied des Portaner Umweltausschusses auf den Punkt: „Niemand darf seinen Müll noch in die Landschaft kippen und auch die Kali und Salz GmbH hat ihre Abwasser unwmltfreundlich, wenn auch kostspielig, zu entsorgen.“ Die Portaner GRÜNEN sind der Ansicht, dass das Androhen von Arbeitsplatzabbau im Zusammenhang mit der billigen Salzentsorgung eine plumpe Erpressung auf Kosten aller Flussanrainer ist.

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